 Asien-Pazifik
Quality Made in China
(sourcing_asia 02/03 2010)
Artikel: Dr. Peter Faust, Sacha Rezzadori - Seidenschwarz & Comp.
„Externe Faktoren“, wie Einsatzbedingunen, unter denen ein Produkt genutzt wird, wirken sich stark auf die Qualität aus. Zum Beispiel müssen Pkw-Motoren ein gestrecktes, minderwertiges Kraftstoff-Gemisch mancher chinesischer Tankstellen genauso aushalten wie die Fahrgewohnheit, Drehzahl-Bereiche von über 1.800 Umdrehungen pro Minute konsequent zu vermeiden. Treten Qualitätsprobleme auf, ist der Endkunde unzufrieden und unterscheidet letztendlich nicht, warum sein Fahrzeug defekt ist. Nun wird China zudem verstärkt als Wertschöpfungsort für Export und Best-Cost-Country-Sourcing (BCCS) gesehen.
Chinesische Mitarbeiter und Unternehmen lernen schnell, so dass immer mehr die Chancen hierzu entstehen. Auch die Finanz- und Wirtschaftskrise tat dem Trend zum China-Sourcing keinen Abbruch; im Gegenteil: Um die Kostenposition zügig zu verbessern, wurden China-Sourcing-Projekte sogar noch forciert. Durch Export und BCCS steigen allerdings auch die Anforderungen, da westliche Qualitätsstandards erfüllt werden müssen.
Ernüchterung tritt ein, wenn man feststellt, dass zwar niedrige Fertigungs- oder Materialkosten erzielt werden, aber die Qualität nicht passt. Folgekosten durch Ausschuss, Nacharbeit, Sicherheitsbestände, fehlende Liefertreue, Expediting und Rückhol-Aktionen können entstehen; ganz zu schweigen vom Image-Schaden, der mit Qualitätsproblemen verbunden sein kann. Der breiten Öffentlichkeit rückt „Quality Made in China“ vor allem dann ins Bewusstsein, wenn Skandale bei Konsumgütern die Schlagzeilen füllen. Man erinnere sich nur an gifthaltige Spielsachen, die auf westliche Warentische gelangten, oder der Milchpulver-Skandal „Sanlu“ in China selbst. Eine verständliche Entrüstung über solche Nachrichten kann allerdings dazu führen, dass ein objektives Bild verloren geht.
Im industriellen Umfeld werden auch gerne mal Qualitätsprobleme mit Produkten oder Teilen aus China als Argumente etwas übertrieben ins Feld geführt – vor allem im Zuge subjektiv oder national geführter Standort-Diskussionen. Um das Thema „Quality Made in China“ bei ausgewählten Aspekten zu beleuchten, wurde durch Seidenschwarz & Comp. eine Umfrage durchgeführt.
Der Schwerpunkt lag dabei auf den eingesetzten Qualitätsmethoden, vor allem an der Lieferanten-Schnittstelle. Eine Befragung fand mittels Fragebogen und anschließenden gezielten Experten-Interviews statt. An der Umfrage beteiligten sich 50 Indust-rieunternehmen in China. Zwei Drittel der Teilnehmer kamen aus den Branchen Automotive, Maschinenbau und Automatisierungstechnik. Bei einem Drittel der Teilnehmer handelt es sich um ein WFOE (Wholly Foreign Owned Enterprise), bei den restlichen um chinesisch-ausländische Joint-Ventures.
Handlungsbedarf besteht bei der Lieferanten-Qualität
Als größte Herausforderung und dringendsten Handlungsbedarf erkennt man mit großem Abstand die „Lieferanten-Qualität“. Durchgängig klagen die Unternehmen über eine begrenzte Beeinflussbarkeit der Lieferanten in China. Die Unzufriedenheit mit den Lieferanten bezieht sich auf die Qualifikation und Motivation des Personals vor allem in der Produktion und in der Qualitätssicherung. Auch die vorzufindenden Prozesse taugen nicht für die erforderliche Qualität. Das Problem liegt manchmal bereits in frühen Phasen der Produktentstehung, da in der Entwicklungs- und Planungsabteilung des Lieferanten entsprechende Kompetenzen fehlen. Immer wieder wird angeführt, dass das Management der Lieferanten Qualitätsbelange nicht ausreichend ernst nimmt, geschweige denn mit aller Konsequenz forciert und in die Umsetzung bringt.
Und ohne Management-Commitment läuft in China sowie nichts. Die Teilnehmer gestehen aber auch ein, dass die Kommunikation der eigenen Anforderungen manchmal unpassend ist. Nicht immer kommt klar und verständlich bei den Lieferanten an, was gebraucht wird. Teilweise werden kulturelle Differenzen als Ursache gesehen. Mit umfangreichen Spezifikationsunterlagen können chinesische Unternehmen manchmal weniger anfangen als mit einfachen bildlichen Darstellungen. Damit er den Auftrag bekommt, stimmt ein chinesischer Lieferant schon mal zu, ohne alles verstanden zu haben. Veranschaulichung hilft in vielen Bereichen. Grenzmuster-Kataloge leisten in China beispielsweise einen wertvollen Beitrag zur Übermittlung der Erwartungen an die Lieferanten, werden allerdings nur von einem Viertel der Unternehmen hierfür verwendet...
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14.07.2010 (sourcing_asia 02/03 2010)
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