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Asien-Pazifik

Einkauf – status quo, quo vadis

(sourcing_asia 02/03 2010)

Artikel: Dr. Thorsten Makowski, Michael Clauß VALUENEER

Den meisten Unternehmen gelingt es nicht, die Kostenreduzierungspotentiale im Einkauf umzusetzen. Kurzfristige zusätzliche Potentiale von gut 4% im Zuge der Finanzkrise sind vorhanden, aber werden nicht ausgeschöpft. Es fehlt an ausreichend qualifizierten Mitarbeitern, gleichzeitig bleiben wichtige Positionen im Einkauf, gerade im strategischen Bereich unbesetzt. Top-Management und Einkaufsleitern gelingt es nicht, diese Herausforderungen zufriedenstellend zu lösen.


Für Unternehmen aus Westeuropa hat Osteuropa als Beschaffungsmarkt langfristig einen höheren Stellenwert als China. Global Sourcing wird weiter zunehmen trotz steigender Transportkosten und Finanzkrise. Nachhaltigkeit wird Kosten als nach wie vor wichtigstes Kaufkriterium nicht verdrängen.


Wahrnehmung und das Standing des Einkaufs ist in vielen Unternehmen zu gering. Durch eine zu betriebsinterne Orientierung können die meisten Unternehmen Qualität und Leistung des Einkaufs nur unzureichend bewerten.
Branche, Größe, Standort und organisatorische Aufhängung des Einkaufs haben erheblichen Einfluss auf die Einkaufsperformance. Das ergab die, von VALUENEER in Kooperation mit der Internationalen Handelskammer (Deutschland), den wichtigsten Auslandshandelskammern, dem Bundesverband für Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Österreich, dem deutschen Bundesverband Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen und dem Lorange Institute of Business durchgeführte Studie.

Chancen der Finanzkrise bleiben ungenutzt

Durchschnittlich besteht gemäß Selbsteinschätzung der Einkaufsleiter im Einkauf ein branchenübergreifendes Kostenreduzierungspotential von 10%. Durch die Finanzkrise kamen weitere 4% hinzu. Die kurzfristige Umsetzung dieses zusätzlichen Potentials ist mit gerade 1% ernüchternd. Mehr als die Hälfte der Unternehmen erreicht nach eigenen Angaben selbst dieses Ziel nicht. Das bedeutet ein ungenutztes Zusatzpotenzial von 3%. Unternehmen aus dem D,A,CH-Raum1 können dieses Potential besser umsetzen.
Branchenübergreifend nutzen Unternehmen die Finanzkrise nicht, um durch stärkeren Ressourceneinsatz im strategischen Bereich Einsparungen im Einkauf zu forcieren, sondern führen Personalmaßnahmen zur Reduzierung der Kosten im Einkauf durch. So reduziert die Hälfte der Unternehmen vorübergehend die Arbeitszeit im Einkauf, 17% entlassen gar Mitarbeiter. Dies sind die völlig falschen Maßnahmen. Der Umgang mit kurzfristig eintretenden Potentialen wird durch die eingeleiteten Maßnahmen in der Finanzkrise deutlich. Die Studie identifiziert die erfolgreichen Krisenmaßnahmen. Unternehmen aus D,A,CH konzentrieren sich in der Krise auf die drei wichtigsten Maßnahmen: 1. Neuausschreibungen, 2. Stützung existierender Lieferanten und 3. Preisnachverhandlungen. Lediglich die Hälfte der Unternehmen benutzt in der Finanzkrise zusätzliche Neuausschreibungen als wichtigen Hebel. Der strategischen Suche nach neuen Lieferanten fällt dabei eine bedeutende Rolle zu, hier haben Unternehmen aus deutschsprachigen Ländern einen Nachteil gegenüber Unternehmen aus dem Rest der Welt.

Im Zuge der Finanzkrise hat der Maschinenbaukonzern MTU Friedrichshafen, eine Tochter der Tognum-Gruppe u. a. das US-$ Sourcing und Low Cost Country Sourcing in China verändert. Wie Erik Manning, Einkaufsleiter bei MTU erklärt, lassen sich Lieferantenwechsel vor allem deswegen schnell umsetzen, weil der MTU-Einkauf in interdisziplinären Teams arbeitet, die Lieferantenqualifizierung unterstützt und weil die entsprechenden Budgets in der Planung berücksichtigt sind. Somit sind die Voraussetzungen geschaffen, schnell zu sein.

Erhebliche Kostennachteile durch zu hohen Fokus auf
Versorgungssicherheit

Für das operative Tagesgeschäft ist der Einkauf der meisten Unternehmen gut aufgestellt, ganz anders dagegen der strategische Einkauf. Trotz des hohen Einflusses auf die Wettbewerbsfähigkeit, sind die Wahrnehmung und das Standing des Einkaufs in vielen Unternehmen zu gering. In Folge gelingt es dem Einkauf oft nicht, die notwendigen Ressourcen für strategische Aufgaben zu erhalten bzw. einzusetzen.

Die globale Auswertung zeigt, dass eine Unterdeckung bei Ressourcen für strategische Aufgaben existiert. In Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum, beträgt diese gut zwei Drittel während bei Unternehmen aus dem Rest der Welt diese Lücke immerhin noch gut 50% beträgt. Diese Fehlallokation von Ressourcen kann leicht vermieden, die Realisierung vorhandener Potentiale und damit einhergehend das Standing des Einkaufs im Unternehmen verbessert werden.
Aufgrund fehlender Ressourcen im strategischen Einkauf werden Ausschreibungen zu selten durchgeführt, für einen zu kleinen Anteil des Gesamtvolumens, mit zu wenig Lieferanten und vor allem zu wenig potentiell neuen Lieferanten. In der Hälfte der Ausschreibungen nehmen lediglich 2-4 Lieferanten teil, in 20% der Ausschreibungen findet man keinen einzigen neuen Lieferanten. Dies sind im eigentlichen Sinne keine Ausschreibungen mehr...

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 14.07.2010 (sourcing_asia 02/03 2010)

 



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