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China

Direktinvestitionen trotz Krise stabil

(sourcing_asia 02/03 2010)

Artikel: Bernd Schaaf, GTAI Shanghai

Angesichts der Tatsache, dass die weltweiten Direktinvestitionen um ein Drittel zurückgegangen sind, kann dies als Erfolg gewertet werden. Unterdessen scheint auch die Politik, mehr Investitionen in die chinesischen Zentral- und Westprovinzen zu lenken, erste Früchte zu tragen.

Die ausländischen Direktinvestitionen in der VR China, die noch im 1. Halbjahr 2009 um knapp ein Fünftel zurückgegangen waren, konnten sich in der zweiten Jahreshälfte deutlich erholen. Nach Angaben des zum Handelsministerium gehörenden „Invest in China“ (IIC) war für das Gesamtjahr nur ein kleiner Rückgang von 2,6% auf 90,0 Mrd. US$ zu verbuchen. Gemessen an der starken Basis von 2008 ist dies ein sehr gutes Ergebnis.

Maßgeblich für diese positive Entwicklung war die Entwicklung gegen Jahresende. Alleine im Dezember schossen die ausländischen Direktinvestitionen (Foreign Direct Investment - FDI) im Vergleich zum Vorjahresmonat um mehr als 100% auf 12,1 Mrd. $ nach oben. Dass dies vor allem auf höhere Projektvolumina zurückzuführen ist, zeigt die Anzahl der Projekte von 2.800, was nur eine Steigerung von 11% gleichkommt.

Insgesamt wurden 2009 mehr als 23.000 Joint Venture-Vorhaben genehmigt. Das sind 15% weniger als noch vor Jahresfrist. Das durchschnittliche Investitionsvolumen stieg daher um 14% auf 3,8 Mio. $ pro Projekt.
Auffallend ist, dass die Investitionen aus Steuerparadiesen wie den Britischen Jungferninseln, den Kaimaninseln oder Samoa, die 2008 etwa ein Viertel aller ausländischen Engagements ausmachten, in der Jahresstatistik 2009 nicht mehr gesondert ausgewiesen werden. Ein Sprecher des IIC erklärte auf Anfrage, man habe sich entschlossen, die bislang diesen Inseln zugewiesenen FDI ab sofort den jeweiligen Ursprungsländern zuzuordnen.

Aufgrund dieser statistischen Neuordnung taucht Deutschland als Investor 2009 erstmals auf der Liste der zehn größten Kapitalgeber auf mit einem Zuwachs um 36% auf gut 1,2 Mrd. $. Den größten Sprung aber machte Taiwan. 2008 als Investor noch auf Rang neun, schossen die FDI um 246% auf 6,6 Mrd. $ nach oben - Platz zwei auf der internationalen Rangliste.
Strukturell hat sich in den letzten Jahren bei den Auslandsinvestitionen wenig geändert. Unverändert fließt etwas mehr als die Hälfte des FDI in die Verarbeitende Industrie, über 40% gingen in den Tertiärsektor und knapp 2% in die Landwirtschaft (einschließlich Forstwirtschaft und Aquakultur).

Nach Angaben des Statistischen Büros wurden in der Verarbeitenden Industrie knapp 9.800 Vorhaben genehmigt. Dies entspricht einem Investitionsvolumen von etwa 4,8 Mio. $ pro Projekt. Sehr viel umfangreicher sind die FDI beispielsweise im Immobiliensektor. Dort sind es 29,5 Mio. $, während in der Landwirtschaft im Schnitt nur 1,6 Mio. $ pro Vorhaben aufgewendet werden.

Wie in den vergangenen Jahren entfiel 2009 rund die Hälfte aller Auslandsinvestitionen auf das Yangzi-Delta mit Shanghai und den Provinzen Jiangsu und Zhejiang. Im Gegensatz zum landesweiten Schnitt erhöhte sich das FDI im Vergleich zum Vorjahr leicht um 1,5% auf 45,9 Mrd. $. Die wichtigsten Empfängerprovinzen liegen daher weiterhin im Osten des Landes.

Allerdings scheinen die Bemühungen der Regierung, mehr Auslandsengagements in das chinesische Hinterland zu bringen, erste Früchte zu tragen. Mit Anhui, dessen FDI um 11% auf 3,9 Mrd. $ anzog, war erstmals eine Binnenprovinz unter den ersten zehn.

Ferner scheint die Großstadt Chongqing - seit 1997 regierungsunmittelbare Stadt - in der Zentralprovinz Sichuan zusehends an Attraktivität zu gewinnen. Nach Berichten der „China Economic News“, die allerdings nicht verifiziert werden konnten, stiegen in Chongqing die Auslandsinvestitionen 2009 um 48% auf 4,0 Mrd. $. Nach diesen Angaben ist es hauptsächlich die Elektronikindustrie, die dort investiert. Unter anderem haben sich die taiwanischen Konzerne Foxconn und Inventec sowie die US-Firma Hewlett Packard in Chongqing engagiert.
Dass die Firmen auch Zukunftspläne für die Region schmieden, zeigt sich daran, dass nicht nur in die Produktion investiert wird. So hat HP ein Call Center eröffnet, der Logistiker APL (Singapur) verlegte seine China-Zentrale nach Chongqing, und der japanische Großkonzern NTT Data eröffnete dort ein Softwareentwicklungszentrum.
 14.07.2010 (sourcing_asia 02/03 2010)

 



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