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Korea entdeckt Offshore

(sourcing_asia 02/03 2010)

Bei der Windenergie gewinnen Offshore-Vorhaben an Bedeutung. Ab 2012 soll ein Renewable Portfolio Standard (RPS) für mehr Installationen sorgen. Die genauen Effekte bleiben abzuwarten, denn die Stromerzeuger des Landes zögern bisher vor allem angesichts der billigen Kernenergie mit Installationen im erneuerbaren Bereich.

Laut OECD war Korea (Rep.) 2007 bei erneuerbaren Energien mit einem Anteil von lediglich 1,4% an der Primärenergieerzeugung Schlusslicht unter 36 untersuchten Ländern. Nach Statistiken der Korea Energy Management Corporation (KEMCO) stieg der Anteil 2008 auf 2,43% nach 2,37% im Vorjahr. Allerdings umfasst diese Angabe auch die Energiegewinnung aus Abfällen, die für 78% der Gesamtsumme der „erneuerbaren“ Energien steht.

Dennoch gibt es einige Vorhaben. In der Windenergie stoßen solche aber oft auf den Widerstand der Bevölkerung. Dies ist ein Grund, warum zunehmend Offshore-Projekte diskutiert werden. So unterzeichnete die Provinz South Jeolla im Oktober 2009 mit 26 Firmen eine Absichtserklärung, nach der in den nächsten reichlich zwanzig Jahren in Muan, Younggwang, Shinan etc. Windkraftanlagen mit einer Kapazität von mehr als 5 GW installiert werden sollen. Deutlich mehr als die Hälfte soll dabei auf den Offshore-Bereich entfallen.

Bis 2014 soll ein Konsortium unter der Führung von Dongkuk S&C in Shinan (Provinz South Jeolla) Offshore-Windkraftanlagen mit einer Kapazität von 200 MW installieren. In Taean treibt die Firma Hydrogen Power ein 100 MW-Offshore-Projekt voran, das 2013 oder 2014 abgeschlossen werden soll. Das Ministry of Knowledge Economy (MKE) plant, auch zur Förderung der eigenen Industrie, einen großen Offshore-Windpark an der Westküste, zunächst mit einer Kapazität von etwa 100 MW. Details sollen im August 2010 bekannt gegeben werden.

Im März 2010 unterzeichnete die Korea Rural Community Corporation (KRC) eine Absichtserklärung mit einer Reihe koreanischer Firmen, bis etwa 2016 auf Dämmen in Dangjin, Boryung und Hongsung Windkraftanlagen mit einer Kapazität von 480 MW zu installieren. Daneben gibt es weitere Projekte wie beispielsweise in der Saemangeum Free Economic Zone, wo von 2010 bis 2014 Windkraftanlagen mit einer Kapazität von 40 MW installiert werden sollen. Dort soll auch ein Windenergiecluster entstehen. Große Projekte zur Nutzung erneuerbarer Energien im Inland sind daneben vor allem in der Meeresenergie zu finden. So wurde im Mai 2009 in Udolmok das erste Gezeitenkraftwerk in Korea feierlich eröffnet. Ende März 2010 erteilte das MKE die Genehmigung zum Bau des mit 520 MW weltgrößten Gezeitenkraftwerks in der Bucht Garorim. Weitere sind geplant. Darüber hinaus wollen die Firma Voith und ihr koreanischer Partner Renetec das weltgrößte Gezeitenströmungskraftwerk der Welt mit einer Nennleistung von 150 MW bauen. Dieses nutzt nicht die Stauhöhe des Wassers, sondern ähnlich wie Windkraftwerke die kinetische Energie der Strömung. Es kann völlig unter Wasser betrieben werden und benötigt deshalb keinen Staudamm. Ein ähnliches Projekt mit einer Nennleistung von 53 MW plant die Korea Midland Power in Wando. Zurzeit ruht dieses aber aufgrund des Widerstandes der Anwohner.

Impulse für die Neuinstallationen im Bereich der erneuerbaren Energien erhofft sich die Regierung von einem sogenannten renewable portfolio agreement (RPA) mit neun staatlichen Stromversorgern. In dessen Rahmen sollen diese von 2009 bis 2011 insgesamt rund 3 Bill. Won (circa 1,7 Mrd. Euro; 1 Euro = 1.773 Won -Jahresdurchschnitt 2009) in die Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien investieren und Kapazitäten in Höhe von 1,3 GW installieren. Ein ähnliches Agreement für den Zeitraum von 2006 bis 2008 wurde bezogen auf alle betroffenen erneuerbaren Energien nur zu etwas mehr als der Hälfte erfüllt. Generell sind die Stromerzeuger bei erneuerbaren Energien nach wie vor sehr zurückhaltend. Der Grund dafür ist, dass diese in der Stromerzeugung erheblich teurer sind als beispielsweise die Kernkraft, die Korea (Rep.) massiv ausbauen will.Ab 2012 soll ein renewable portfolio standard (RPS) eingeführt werden, der die Stromerzeuger dazu zwingt, einen bestimmten vorgeschriebenen Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen zu gewinnen. Betroffen sind Erzeuger mit Kapazitäten ab 500 MW. Per April 2010 zählten dazu die sechs Tochterfirmen der Korea Electric Power Corporation (KEPCO), Korea District Heating Corporation, Korea Water Resources Corporation, Posco Power, K-Power, GS EPS, GS Power und Meiya Yulchon Power.

Angedacht sind im Rahmen des RPS 2% für 2012 und eine sukzessive Steigerung bis auf 10% im Jahr 2022. Ob diese Werte erreicht werden, bleibt angesichts der Zurückhaltung der Stromerzeuger abzuwarten. Dennoch ist die Maßnahme ein Indiz dafür, dass Korea (Rep.) künftig neben dem Ausbau der Kernenergie mehr auf Strom aus erneuerbaren Energien setzen will.
 14.07.2010 (sourcing_asia 02/03 2010)

 



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