
Der größte Supermarkt der Welt
(sourcing_asia 02/03 2010)
Der chinesische Einzelhandel startet mit großer Dynamik ins neue Jahr. Nachdem schon 2009 ein Zuwachs von 15,5% auf 12,5 Billionen Renminbi (RMB; etwa 1,32 Bill. Euro; Wechselkurs 2009: 1 Euro = 9,53) zu verzeichnen war, lagen die Umsätze im Zeitraum Januar bis Februar des laufenden Jahres nach Angaben des Statistikamtes NBS um 17,9% über den Werten der Vorperiode. Einzelne Verbände, wie die „China Chain Store & Franchise Association“ (CCFA), passen nun ihre Prognosen nach oben an und erwarten für das Gesamtjahr einen Zuwachs von 18% auf knapp 15 Bill. RMB.
Nach einer kurzen Schwächeperiode im 1. Quartal 2009 ist der allgemeine Optimismus bezüglich der Entwicklung des Einzelhandels wieder unübersehbar. Sämtliche großen Player haben in den vergangenen Monaten angekündigt, auf dem chinesischen Festland stark expandieren zu wollen.
Die Einzelhandelskette Carrefour, die schon 2009 mehr als 20 neue Hypermarkets eröffnet hat, will auch 2010 zwischen 20 und 25 neue Märkte errichten. Eines der größten Projekte dürfte ein neuer Hypermarkt in Beijing mit einer Verkaufsfläche von 90.000 qm sein, wie die „Zhongguo Shangye Bao“ (China Business News) berichtet. Auch soll erstmals ein Supermarkt in der Inneren Mongolei seine Pforten öffnen.
Da will Großkonkurrent Walmart natürlich nicht nachstehen und meldet, dass in den kommenden Jahren jeweils 50 neue Filialen aufgebaut werden sollen. Über Expansionspläne haben ferner unter anderem Tesco, CR Vanguard oder RT-Mart berichtet.
Dabei bleibt ein Trend, der sich schon in den vergangenen Jahren zeigte, weiterhin bestehen. Zusehends nehmen die großen Ketten das chinesische Hinterland ins Visier, das zwar ohnehin schon höhere Wachstumsraten als die sogenannten First-Tier-Cities des Ostens aufweist, aber weiterhin einen hohen Nachholbedarf hat, so die „Zhonghua Baihuo Shangye Xiehui“ (China Commerce Association for General Merchandise - CCAGM) in einer aktuellen Analyse.
Auch wenn diese Bewegung für viele Jahre anhalten dürfte, stellt die Expansion ins chinesische Hinterland große Herausforderungen an die Einzelhändler. Zum einen unterscheiden sich die Konsumenten-Bedürfnisse in den Second- und Third-Tier-Städten teilweise erheblich von den Gewohnheiten der Ostküstenbewohner. Zum anderen werden oftmals die gewaltigen Logistik-Probleme unterschätzt, mit denen neue Supermärkte im Hinterland konfrontiert werden. Bei einer strategischen Standortplanung müssen daher Schwierigkeiten der Logistik und deren Bewältigung eine herausragende Rolle spielen.
Ferner setzt sich im chinesischen Handel der elektronische Einkauf - vor allem bei jüngeren Kunden - immer schneller durch. So gab der Platzhirsch unter den chinesischen E-Commerce-Anbietern, Alibaba, jüngst bekannt, weitere 5 Mrd. RMB in seine Zahlungsplattform Alipay.com (das chinesische Pendant zu Paypal) investieren zu wollen. Nach firmeneigenen Angaben hatte Alipay Ende März 2010 mehr als 300 Mio. Kunden, und 460.000 Online-Händler nutzten Alipay als Bezahlplattform.
Nach Angaben der Beijinger iResearch beliefen sich die online-Transaktionen in China 2009 auf 577 Mrd. RMB. Dies entsprach einem Zuwachs von 110% im Vergleich zum Vorjahr. iResearch erwartet für 2010 eine Steigerung von mehr als 70% auf 1,0 Bill. RMB, und 2013 sollen dann schon 2,75 Bill. RMB erreicht werden. Auch diese Entwicklung stellt für in China operierende Händler eine große Herausforderung dar.
Die hundert größten Retailer in China erzielten 2009 nach Angaben der CCFA einen Gesamtumsatz von knapp 1,4 Bill. RMB. Dies entspricht einer Steigerung im Vergleich zum Vorjahr um 13,5%. Erstmals konnte der Elektronikanbieter Suning den Konkurrenten Gome überholen und steht jetzt mit Erlösen von 117 Mrd. RMB auf Rang eins. Gome konnte aufgrund großer interner Schwierigkeiten nur gering zulegen.
Unter den zehn größten Einzelhändlern befanden sich wie im Vorjahr nur drei Ausländer: RT-Mart, Carrefour sowie Walmart. Der größte deutsche Vertreter ist die Metro-Gruppe, die allerdings mit dem expandierenden Markt nicht mithalten konnte. Die Erlöse fielen um 5% auf 12,0 Mrd. RMB, und der Konzern rutschte im Ranking um sieben Plätze auf Rang 31 ab. Sehr viel günstiger entwickelte sich dagegen Ikea, dessen Umsätze um 16% auf 3,1 Mrd. RMB nach oben gingen.
Die erzielten Umsätze zeigen, wie zersplittert der chinesische Einzelhandel immer noch ist. Weniger als 25% der Erlöse der Hundert größten Einzelhändler entfallen auf Suning, Gome oder Bailian. Gemessen am gesamten Einzelhandel (einschließlich Pkw, Apotheken etc.) sind es sogar sehr viel weniger. Der größte chinesische Retailer - Suning - erzielte 2009 Erlöse im Umfang von umgerechnet nur 17,1 Mrd. US$, während beispielsweise Metro weltweit mit 91,4 Mrd. $ mehr als fünfmal so viel umsetzte.
China ist bislang für ausländische Lieferanten ein relativ kleiner Markt für Konsumgüter (2009: 6,5 Mrd. $) verglichen mit Großabnehmern wie zum Beispiel die USA (2009: etwa 130 Mrd. $). Während sich 2009 Accessoires sowie Möbel halten konnten, gingen vor allem die Auslandsbezüge von Fotoapparaten und Bekleidung stark zurück. Für das Gesamtjahr wurde daher ein Importrückgang von 12,1% auf knapp 6,5 Mrd. $ gemeldet. 2010 indes dürfte für ausländische Lieferanten von Konsumgütern wieder weitaus besser laufen. Der Tiefpunkt der chinesischen Einfuhr von Branchenerzeugnissen war schon im 2. Halbjahr 2009 durchschritten, und die Entwicklung in den ersten Monaten 2010 zeigt überraschend deutlich nach oben.
So erhöhten sich beispielsweise im Zeitraum Januar bis Februar 2010 die chinesischen Einfuhren von Möbeln im Vergleich zur Vorjahresperiode um mehr als 40% auf über 200 Mio. $. Das günstige Marktumfeld dürfte auch deutschen Lieferanten zugutekommen, da sie mit einem Anteil von gut einem Fünftel an den chinesischen Möbelimporten beteiligt sind. Aber auch Accessoires (+43%) und Uhren (+36%) legen wieder mit hohen zweistelligen Steigerungsraten zu. Bei Bekleidung (+9%) jedoch bleibt der Markt schwierig, und bei Schuhen (-7%) ist der Tiefpunkt noch nicht erreicht.
14.07.2010 (sourcing_asia 02/03 2010)
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